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Spitzbergen – Winterabenteuer mit Nordlicht und Schneemobil

Reise zur Arktis

Schon lange stand der Wunsch im Raum, Nordlichter und Eisbären zu sehen, sowie in die Arktis zu gehen, bevor der Klimawandel alles zu Nichte macht. Die Wahl des richtigen Reisezeitraumes ist dabei nicht so einfach und an sich kommt nur ein kurzer Zeitraum zwischen Ende Februar und Mitte März in Frage. Davor ist Polarnacht bzw die Tage extrem kurz und danach sind die Tage lang und die Polarlichter nicht mehr sichtbar. Eine ähnliche Reisezeit gibt es im Herbst, aber ohne Schnee.

Arktis Reise – Vorbereitung

Auf einer Reisemesse in Leipzig wurde ich auf die Firma Spitzbergen-Reisen aufmerksam – 2 junge dynamische und sympathische Unternehmer aus Süddeutschland und der Schweiz, die ihr Unternehmen aufbauen und begeisternd bei der Sache sind. Gesagt – getan, wir wurden eine kleine Gruppe von 6 Interessenten, die sich dies zutrauten. In Vorbereitung wurde viel über Arktisexpeditionen gelesen und Erinnerungen aus der Kindheit
wurden wach, wo ich diese Abenteuer förmlich in mich aufsaugte.

Arktis Reise – Anreise & Polarlichter

Am 28. Februar war es soweit. SAS Skandinavian Airlines brachte uns von Berlin nach Oslo und von dort in 3 Stunden auf einem Nachtflug zum nördlichsten Verkehrsflughafen der Welt. Die Prognose der Nordlichter (siehe Webseite) verriet, dass unser Anreiseabend die besten Möglichkeiten für Nordlichter bieten würde und ich spekulierte, diese bereits vom Flieger aus zu sehen. Und so war es auch. Nach Überfliegen des Polarkreises wurden deutlich grünliche Lichter sichtbar, die näher und näher kamen.Gegen 1 Uhr nachts landeten wir und unser Guide Marcel meinte, dass wir Glück hätten und heute ein wahres Feuerwerk an Nordlicht zu erwarten sei und ob wir nicht gleich noch eine kurze Tour ausserhalb des Ortes machen möchten, um dieses Schauspiel zu sehen. Wollten wir – dafür waren wir ja angereist. Abgesehen, dass es mit minus 22 Grad bitterkalt und wir bekleidungstechnisch noch auf dem Stand von Berlin waren war es super. Er hatte nicht zu viel versprochen !
Unser Hotel wurde das Radison SAS in der Ortsmitte. Gegen 2 Uhr fielen wir in die Betten voller Vorfreude auf die kommenden Tage.

Arktis Reise – Fahrt mit dem Schneemobil

Um 10 Uhr ging es los nach einem üppigen Frühstück. Die Sonne war aufgegangen und tauchte alles in ein rosafarbenes Licht. Es gab der Umgebung eine einzigartige Athmosphäre. Pünktlich wurden wir abgeholt und zur Station des Schneemobilverleihers gebracht. Wir waren dort nicht die Einzigen, wie ich auch erstaunt war, wie viele ,vor allem junge Leute, im Flieger nach Spitzbergen saßen, sicher der Universität geschuldet. Wir wurden eingekleidet – nur gut, denn sehr schnell wurde klar, dass unsere mitteleuropäischen Skisachen und Thermounterwäsche und Winterstiefel nicht wirklich adäquat waren, zumindest nicht um diese Jahreszeit. Nach kurzer Zeit sahen wir aus wie die Kosmonauten und schwitzten und waren froh, an die frische Luft zu kommen. Die Schneemobile standen nur 50 Meter entfernt und warteten auf den Einsatz.

Für nahezu alle war es die erste Fahrt mit einem solchen Gefährt. Eine kurze Einweisung erfolgte zu wichtigen Regeln über Kolonnenfahren und Gefahrensignale und das Führen eines Schneemobils. Unser Guide Christian hatte einen Schlitten mit Zusatzkanistern und sein Gewehr (Vorschrift auf Spitzbergen) sowie eine Proviantkiste mit. In Vorbereitung der Tour wurde uns mitgeteilt, dass wir nicht durchweg zu zweit auf dem Schneemobil sitzen können, da es möglich sein muss, auch eines
oder zwei Fahrzeuge stehen lassen zu können. Es gibt ausser im Hauptort Longyearbyen keine weitere Infrastruktur auf der Insel. Das macht es logistisch u einer Expedition aber auch wahnsinnig reizvoll. Auch wurden wir gefragt, ob wir im Zelt übernachten wollten. Hmm, bei minus 22 Grad nicht so wirklich jedermanns Sache und ich entschied mich für die russische Bergarbeitersiedlung Barentzburg.

Arktis Reise – Landschaft

Dann ging es ca 11.30 Uhr los durch eine einzigartige schneeweiße, leicht rosa übertünchte Landschaft. In der Ferne grüßten spitze Kegel, die wie Vulkane aussahen und der Insel zu Ihrem Namen verhalfen. Unterwegs gab es mehrere Fotostopps und in einer verlassenen Minenarbeitersiedlung machten wir Mittagspause. Tja Mittagessen bei Minus 20 Grad ist auch so eine Herausforderung – es gab eigens mitgebrachte Fertiggerichte, die in ca 10 Minuten mit heißem Wasser vermischt zu einer leckeren Mahlzeit wurden. Und was in den Körper hinkommt, muss auch irgendwie wieder hinaus – eine weitere Herausforderung. Für Männer noch halbwegs lösbar, unsere beiden Frauen haben schwer gelitten. Toilette auf Spitzbergen – Fehlanzeige. Wir sind auf einer Expedition ! Das muss man sich immer
wieder vor Augen halten und Jeder hat diese Entscheidung aus freien Stücken getroffen. Es gab auch keine Klagen – noch nicht.
Nach etwa 50 Kilometern an diesem Tag auf dem Schneemobil erreichten wir gegen 17 Uhr Barentzburg und bezogen die Zimmer im neu renovierten Gästehaus Pomor. Schräg gegenüber gab es ein Restaurant mit Bar und ca 30 Meter weiter ein Hotel in dem wir am nächsten Morgen unser typisch russisches herzhaftes Frühstück bekamen.

Arktis Reise – Kultur

Nach einem kurzen Aufenthalt im Zimmer entdeckten wir die kleine Gemeinde. Die Sonne war zwar bereits 16 Uhr untergegangen, aber die Dämmerung zog sich ewig hin. Völlig anders als in unseren Breiten und komplett anders als in den Tropen, wo es immer schlagartig hell oder dunkel wird. Die Siedlung bot eine kleine Kirche und ein Museum zu russischen Arktisexpeditionen, aber auch anderen Themen aus russischer und sowjetischer Vergangenheit und die war hier allgegenwärtig.Ergänzt wird die Siedlung durch Bergbauanlagen, ein Kraftwerk, aber auch 2 Wohnblocks und 2 Geschäfte, Kulturhaus und Schwimmbad. Eine neue LED-Strassenbeleuchtung war auch installiert vor kurzem. Und 2 Rentiere die auf Futtersuche waren erinnerten uns neben den wieder minus 22 Grad
wo wir uns befinden. Der Abend war kurzweilig bei russischem Bier und Wodka und herzhaftem Essen. Wir waren so ziemlich die einzigen Gäste. Gesprochen wurde Russisch, aber Speisekarte und alles auch auf Englisch. Das machte es einfach. Die Preise hier waren russlandtypisch volkstümlich im Gegensatz zum Norwegen typischen Longyearbyen. Trotzdem konnten wir nicht so lange feiern, denn der Folgetag sollte ein langer werden – die Ostküste war geplant.

Arktis Reise – Berge & Fjorde

Nach einem schnellen Frühstück ging es um 8.45 Uhr los noch in der sehr hellen Dämmerung. In einem ersten Gebirgszug erlebten wir einen kleinen Whiteout. Das ist schon sehr ungewohnt, wenn man kaum noch Konturen erkennt und der Kopf verrückt spielt. Es war nur von kurzer Dauer und die
Sonne ging über einem Bergrücken auf und bescherte eine Super Sicht auf die spitzen Berge an einem Fjord. Aber auch das eine Erfahrung, die dazu gehört.

Auf dem Fjord kamen wir schneller voran – sind wir bisher maximal 40 km/h gefahren waren es nun bis zu 95 km/h, also 80+ wie man auf Spitzbergen sagt, denn nur 80 sind erlaubt. Aber wo es keine
Siedlungen und Tankstellen und Toiletten gibt, gibt es natürlich auch keine Polizisten und Radarfallen, um dies zu kontrollieren.

Wir machten immer wieder Stopps auf der Suche nach Tieren – und dann entdeckte Christian frischen Spuren von einem Eisbären. Diese waren also nicht nur auf den Verkehrsschildern, sondern um uns. Man spricht von ca 3000 auf der Insel, aber vor allem im Osten und Norden der Insel. Wir erhöhten die Aufmerksamkeit. Ein Folgen der Spuren ist untersagt, kommt einer Jagd gleich – und gut so.

Arktis Reise – Bergbausiedlung

Weiter ging es Richtung Osten vorbei an Svalea einer norwegischen Bergbausiedlung über mehrere Pässe und da war sie, die Ostküste – mit Packeis und runden Bergen. Die Norweger nenne die Insel Svalbard, was wohl weiße Küste bedeutet. Dem machte diese alle Ehre wieder in ein leichtes Pink getaucht. 13 Uhr – wir machten Pause. Diesmal war die Not noch größer – unsere Frauen mussten sehr tapfer sein – es waren wieder minus 20 Grad. Sie waren tapfer ! Und es gab wieder lecker Raumfahrerkost aus der Tüte mit heissem Kaffee und Cookies und Schokolade.

Das Packeis war phänomenal – eine unendliche weiße Wüste mit Bergen und Schneeverwehungen und sicher auch Eisbären und Robben, aber wir haben diese nicht gesehen, wohl diese aber uns. Nach dem Essen ging es weiter an einen Gletscher und eine eine Eishöhle – könnte eine richtige Bärenhöhle sein. Mittlerweise waren wir ca 190 Kilometer gefahren und die Dämmerung begann.

Arktis Reise – Packeis

Die Fahrt entlang der Küste war herausfordernd, aber machbar. Dann aber hieß es raus aufs Packeis, denn durch ein Cliff ist der Strand unbefahrbar für uns für ein kurzes Stück. Ja, und dann lernten wir die Arktis richtig kennen. Kommentar dazu – und deshalb kann man auch nicht mit dem Schneemobil an den Nordpol fahren. Das wurde uns schlagartig klar. Die kurze Route dauerte und brachte uns Ungeübte an den Rand des Machbaren. Ende gut, alles gut. Unser Guide war sehr professionell in dieser Situation und brachte uns sicher vom Eis und zurück nach Longyearbyen und tolerierte das ein oder andere klagende Wort. Ein Fahrzeug mußten wir mit defekten Stoßdämpfern zurücklassen.

Am Ende waren es 12 Stunden und ca 250 Kilometer an diesem Tag mit vielen neuen Eindrücken, die wohl Keiner missen möchte. Die Landschaft ist einzigartig, Massentourismus existiert nicht – noch nicht und nicht zu dieser Zeit und in dieser Region. Die Stille um uns herum, nur durch das Knirschen des Schnees unter unseren Füßen unterbrochen, war das einzige Geräusch – den ganzen Tag lang.

Das Abendbrot schmeckte und das Bier dazu erst Recht, jetzt aber zu Norwegenpreisen, etwa das 3 bis 4 Fache im Vergleich zu Barentzburg.

Arktis Reise – Schlittenhundtour

Unser letzter Tag brachte nach einem gutem Frühstück im Radison einen kurzen Transfer zu einem Hundezüchter, der auch Schlittenhundetouren auf dem Gletscher anbietet. Auch das war spannend, aber anders. Hier waren wir auch nicht mehr allein sondern teilten uns die Region mit weiteren Gruppen. Wir waren einfach verwöhnt vom Vortag. Die Landschaft war ähnlich spektakulär und der Einstieg in eine Eishöhle (eigentlich eine zugeschneite Gletscherspalte) rundete das Erlebnis ab. Das Führen eines Hundeschlittens ist auch ein Erlebnis für sich – es zeigten sich neue Talente und Fähigkeiten in uns.

Nach Rückkunft in der Stadt blieb noch Zeit für einen Bummel durch den Ort mit all seinen Eigenheiten. Im Supermarkt konnten wir die Raumfahrtnahrung ebenso kaufen wie auch den Verkauf von Alkohol gegen Karte kennenlernen. Alkohol scheint ein Problem zu sein. Klar was tun, wenn es 24 Stunden Nacht ist.Unser Guide Christian war extrem erfahren und mit breitem Wissen über Land und Leute, Geographie und Biologie ausgestattet. Abends im Pub wurde auch über die Zukunft des Tourismus in
die Arktis diskutiert. Auch hier bestehen Tendenzen zum Overtourism, getrieben durch billige Flüge und riesige Schiffsbauten – leider. Wir haben es nicht erlebt, aber vorstellbar ist es.

Die SAS brachte uns mit einem Nachtflug wieder zurück über Oslo nach Berlin voller neuer bleibender Eindrücke. Das Gesehene und Erlebte verarbeiten wir erst sukzessive in den nächsten Tagen und Wochen bzw. beim Betrachten von Bildern und Filmberichten.

Für wen ist eine Spitzbergenreise im Winter lohnenswert ?

Sicher können einfache Programme rund um Longyerbyen von Jedem gemacht werden, der halbwegs fit und keine Frostbeule ist. Unser Programm benötigte schon eine Portion Fitness und
Durchhaltevermögen. Den Frauen wurde biologisch bedingt viel abverlangt. Brillenträger sollten auf Kontaktlinsen umstellen können oder verzichten.

Wie begegnet man der Kälte bei den Programmen ?

Man erhält extrem gute Kleidung, die so in Berlin sicher schwer erhältlich ist. Es paßt zu den dort herrschenden Bedingungen. Das Schneemobil hat einen beheizten Lenker und auch an den Füßen tritt Warmluft aus. Die gesamte Fahrt war trotz Fahrtwind nie ein Problem klimatisch. Auf dem
Hundeschlitten sah das dann schon anders aus. Das Tagesprogramm war durch die Höhle interessant. Hier fehlten Aufwärmpunkte. Später im Jahr ist das aber alles kein Problem mehr. In der Eishöhle war es mit minus 2 Grad richtig warm gewesen. Klar, wir hatten zwar niedrige Temperaturen, aber immer Sonnenschein und nur leichten Wind. Bei Schneetreiben und starkem Wind sieht es da schon komplett anders aus.

Was kostet ein solches Programm ?

Wir haben mit allen Nebenkosten für die Zeit von Donnerstag Mittag ab Berlin und Ankunft Montag Mittag etwa 2100 EUR gezahlt für Flug, Unterkunft im Doppelzimmer, Verpflegung, alle Exkursionen, Getränke und Trinkgelder vor Ort. Die kleine Gruppe und das individuell gestaltete Programm war es uns mehr als wert. Programme in grossen Gruppen, wo mehr Warten als Fahren angesagt ist sind preiswerter und weniger streßig.

Arktis Reise – Resumee

Ein Taum ging in Erfüllung und obgleich die Eisbären sich nicht uns zeigten war es ein Super Trip, der meine Erwartungen mehr als erfüllt hat, aber klar es war Traumwetter und das kann man nicht buchen, so wie man den Eisbären auch nur im Berliner Zoo garantiert bekommet. Es ist Ziel für trainierte Abenteurer und definitiv nicht für Pauschaltouristen, die im all inclusive Resort mit dem Handtuch die Poolliege reservieren. Schön, dass wir das noch erleben durften und danke an Christian und Marcel. Ich hoffe Ihre bleibt Euren Idealen noch lange treu.

Berlin 9.3.2019